Talk
„Hallo und herzlich willkommen, Freunde der Nacht.
Es ist Samstagabend, dreiundzwanzig Uhr zehn und ich stehe wie jede Woche um diese Zeit zu Ihrer Verfügung.
Seelenschmerz mit Nicole Herz.
Rufen Sie mich an, wenn Sie Sorgen haben, wenn Sie etwas bedrückt oder Sie einfach nur reden möchten. Doch zuerst hören wir etwas Musik, um die Nacht angenehm zu beginnen: Allannah Myles."
„Schönen guten Abend. Hier ist Nicole. Wen habe ich in der Leitung?"
„Markus."
„Hallo Markus, was hast du auf dem Herzen? Ich darf doch du sagen?"
„Ja. Ich habe eine Frau vergewaltigt."
„Oh! Ich, äh ... einen Moment bitte."
„Nicole?"
„Wir sind auf Sendung - Markus, du sagtest gerade, du hättest eine Frau ... gegen ihren Willen ... dann rufst du hier an ... und nun hast du Gewissensbisse?"
„Ja. Nein ... Das ist es ja gerade ... ich meine, ich habe sie nicht richtig vergewaltigt, nur in meiner Phantasie."
„Markus, da fällt mir jetzt aber wirklich ein Stein vom Herzen."
„Ich habe immer diese Gedanken. Das macht mich fast wahnsinnig. Ich traue mich nicht, eine Frau real anzusprechen."
„Geht es um eine bestimmte Frau, Markus?"
„Nein, um Frauen im Allgemeinen."
„Du hast mich doch eben auch angesprochen."
„Das ist etwas anderes, am Telefon. Da sind sie in meinem Kopf ... bin ich in ihren Köpfen."
„Markus, was meinst du damit?"
„Ich grabe mich in ihre Hirne, ihre Gedanken. Ich weiß, dass es so ist, ich fühle es. Sie können sich nicht wehren, sind wie gebannt, verzaubert. Dann fühle ich mich stark, bin unwiderstehlich. Das funktioniert nur, wenn ich sie dabei nicht ansehen muss. Aber es funktioniert. Sie sind fasziniert von meinen Geschichten. Bei dir passiert es gerade, Nicole. Spürst du es?"
„Markus, ich bitte dich ..."
„Du spürst es, nicht wahr? Ich weiß, dass du es spürst. Merkst du, wie du mir willenlos ausgeliefert bist? Komm, lass es zu, meine Schöne. Ich bin bei dir, halte deine Hände fest. Du wehrst dich ... nur ein bisschen, aber ich bin stärker. Kämpfe nicht, Mädchen, es hat keinen Sinn. Ich dränge dich gegen den Kastanienstamm ... du magst Kastanien, nicht wahr? Ich halte dich bei den Schultern, atme deinen Duft. Oh, dieser Duft! Du bäumst dich mir entgegen. Ja, du willst es. Und wie du es willst! Ich reiße dir die Bluse herunter ... da springen sie mich an, diese kleinen süßen Äpfelchen. Du hast doch kleine süße Äpfelchen, Nicole?"
„Markus ..."
„Natürlich hast du kleine süße Äpfelchen! Ich möchte hineinbeißen, so süß sind sie. Aber erst knete ich sie ein wenig. Ganz sanft, nun etwas stärker. Sie sind weich, so herrlich weich ... deine Brustwarzen richten sich auf, wie junge Kirschknospen. Ich möchte sie kosten, schmecken. Spürst du meine Zunge, meine Zähne ... wie sie an dir knabbern?
Oh nein! Deine Hände bleiben schön hinten, oder ich werde sie festbinden! Hörst du mich?"
„Markus, ich ..."
„Sicher hörst du mich, du kannst ja gar nicht anders. Ich flüstere dir Worte ins Ohr. Schöne Worte, schmutzige Worte. Das macht dich an. Ich kann es riechen und ich fühle es. Ich habe meine Hand in deinem Slip, mein Finger rutscht wie von selbst in dein weiches Loch, in dein feuchtes geiles Inneres, ohne Widerstand. Himmel, bist du nass! Willst du es riechen, willst du deinen eigenen Saft riechen? Hier, steck ihn in den Mund, saug an meinem Finger ... Ja, Baby, schmeck dich!"
„Markus!"
„Nicht ungeduldig werden! Gleich bekommst du mehr. Schön saugen, Mädchen. Und nicht beißen, hörst du? Sonst werde ich ungemütlich. Spürst du meine Hand an deiner Kehle? So ist es brav. Deine Nippel sind ganz hart ... Sind deine Nippel hart, Nicole? Natürlich sind sie hart. Ich höre dich atmen, du atmest schwer. Fühlst du meinen Atem an deinem Hals, meine Zunge, wie sie langsam nach oben gleitet, dein entzückendes Ohr kostet, sich hineinbohrt? Fühlst du es? So, wie ich meinen Schwanz gleich in dein nasses, geiles Loch bohre, dich ausfülle, aufspieße?
Er springt schon aus der Hose, ich befreie ihn und jetzt ... Jetzt. Jetzt! Jaaaaaa..."
„Markus, zum Donnerwetter!"
„ ... "
„Markus, sind Sie noch dran?"
„Was denn, Nicole ... jetzt plötzlich wieder das förmliche Sie, wo wir doch eben so intim waren?"
„Wir waren überhaupt nicht intim! Ihre sexuellen Phantasien sind ja recht unterhaltsam, aber die gehören nun wirklich nicht in meine Sendung!"
„So? Warum haben Sie dann nicht aufgelegt?"
„Nun, ich ..."
„Ja, Nicole?"
„Markus, machen Sie so etwas öfter? Fremde Menschen am Telefon belästigen?"
„Habe ich Sie belästigt?"
„Wie würden Sie das sonst nennen? Also, rufen Sie oft Frauen an und erzählen Ihre Phantasien?"
„Ziemlich oft, Nicole. Wir beide haben nicht das erste Mal miteinander gesprochen. Damals waren Sie ebenso erregt wie jetzt."
„Ich erinnere mich, aber da nannten Sie sich anders. Wie heißen Sie wirklich?"
„Wie immer Sie möchten."
„Na gut, Markus. Ich möchte gern mit Ihnen privat reden ... Wirklich, sehr gern ... Würden Sie mir Ihre Telefonnummer geben? Bitte."
„Ist das Ihr Ernst, Nicole?"
„Das ist mein voller Ernst."
***
„Mein Name ist Dr. Liebmann, ich bin Ihre Therapeutin. Nehmen Sie Platz und entspannen Sie sich. Keine Angst.
Die Polizei hat Sie zu mir gebracht. Sie sind hier, weil Sie ein Problem haben und ich kann und werde Ihnen helfen. Sie belästigen Frauen am Telefon, stimmt das?
Nun, Sie müssen mir nicht antworten. Sehen Sie mich wenigstens an, wenn ich mit Ihnen rede! Nicht? Na gut, dann suchen Sie sich einen Punkt im Raum, wenn es Sie beruhigt.
In meinen Unterlagen steht, dass es bisher noch zu keiner Anzeige gekommen ist. Auch die Radiomoderatorin hat ihre Anzeige zurückgezogen. Da haben Sie großes Glück gehabt, würde ich sagen.
Möchten Sie mir von Ihren Phantasien erzählen? Vielleicht fühlen Sie sich dann besser. Erzählen Sie, ich höre Ihnen zu, dafür bin ich schließlich da.
Was ist denn mit Ihnen? Sie lächeln ja auf einmal so ..."
©Anastasia
veröffentlicht in "Sexlibris", 2007 Schreiblust-Verlag