Sklavenschwein

Ich sollte mich um die Buchhaltung kümmern. Hauptsächlich. Hatte Albertine gesagt, als sie mir diesen Job anbot. Solange bis ich wieder eine Arbeit als Technische Zeichnerin fand. Nebenbei sollte ich etwas auf Ordnung und Sauberkeit achten, das Telefon bewachen und Einkäufe erledigen.

Die Buchhaltung bestand aus einer simplen Ein- und Ausgabenliste und war in einer halben Stunde erledigt. Der Rest ungewohnt. Kanülen, Skalpelle und Schläuche desinfizieren, medizinische Zangen und seltsame Löffel reinigen, Handtücher wechseln, in die Reinigung bringen, die Packung mit den Einweghandschuhen erneuern sowie Tiegel mit glibberigen Cremes auffüllen.

Ich sehnte mich nach meinem Zeichenbrett zurück und dachte an das letzte Projekt, welches ich entworfen und für das mein Chef die Lorbeeren eingestrichen hatte, ohne meinen Namen auch nur mit einer Silbe zu erwähnen. Ex-Chef! Praktikanten wie ich würden bei ihm Schlange stehen, meinte er höhnisch, nachdem ich mich beschwerte. Als ich laut wurde und mit Konsequenzen drohte, kramte er meine Papiere aus dem Aktenschrank und warf sie mir vor die Füße.

Heftig trat ich gegen den Mülleimer, der scheppernd umfiel und seinen ekligen Inhalt freigab.

„Albi, ich habe keine Lust mehr, euren Dreck weg zu machen!“

Meine Unterlippe zitterte.

Albertine fläzte auf ihrem scharlachroten Himmelbett, schmökerte in einem Magazin und rauchte. Erstaunt blickte sie mich an, machte eine ausladende Handbewegung und stieß mit der Zigarette an den gedrehten Bettpfosten. Hastig pustete sie graue Flocken von dem glänzenden Bezug, drückte schließlich die Kippe im übervollen Ascher aus.

„Schätzchen, du willst doch nicht etwa weinen. Komm her“, gurrte sie und rückte beiseite. Ihr Lackkostüm quietschte auf dem Laken.

Schluchzend warf ich mich in die Arme der Freundin, atmete den schweren Duft ihrer Haare und ließ mir den Rücken tätscheln. Meine Tränen perlten über ihre Brust.

„Geistert Dir noch immer dieses miese Kapitalistenschwein im Kopf rum? Schau, du machst mein Kleid ganz nass. Was sollen denn die Kunden denken?“

„Ist doch gar niemand da“, schniefte ich.

Sie nickte mit dem Kopf zur Zimmerecke hin. Ein nackter Mann kniete dort auf einem Besenstiel, die Hände auf den Rücken gefesselt, um die breiten Hüften einen Gurt, von dem aus Riemen durch seine Pobacken führten. Der Kopf steckte unter einer Maske. Er hatte ihn leicht zur Seite geneigt, so dass ich den Schlauch im Mundbereich erkennen konnte, sonst jedoch keine weiteren Öffnungen.

„Der sieht doch nichts, oder?“

Ich löste mich aus Albertines nass geweinten Armen, putzte mir geräuschvoll die Nase und äugte misstrauisch zu dem vornüber gekrümmten Kerl.

„Der sieht und hört nichts“, beruhigte sie mich. „Sagt auch keinen Ton. Darf er nicht. Redeverbot.“

Sie bemerkte meinen fragenden Blick und griente.

„Alles vertraglich festgelegt. Ist es nicht so, Sklavenschwein“, rief sie laut.

Er gab ein glucksendes Geräusch von sich.

„Wie lange hockt er denn schon da?“

Albertine sah gelangweilt auf ihre goldene Armbanduhr.

„Dreißig Minuten.“

Unerwartet regte sich meine Neugier.

„Und wie lange muss er noch?“

„Fünf oder länger. Mal sehen.“

„Das muss doch wehtun. Hat er irgendwas angestellt?“

Meine Anteilnahme hielt sich in Grenzen. Aus rein technischem Interesse musterte ich die gequälte Körperhaltung des „Sklavenschweins“, seine angespannten Waden, die zitternden Fersen. Vermutlich versuchte er, den schmerzhaften Druck auf die Knie zu lindern. Unmöglich, dass sich jemand freiwillig solch einer Tortur unterzog!

„Ich hoffe doch, dass er den Besenstiel spürt. Sonst war meine Mühe ja umsonst. Ob er was angestellt hat? Klar, er kam fünf Minuten zu spät. Er kommt jeden Donnerstag zur gleichen Zeit, nur diesmal eben nicht pünktlich. Er wird sich daran erinnern und ab sofort an die vertraglich vereinbarten Zeiten halten.“

Albertine machte eine Pause, zündete sich eine Zigarette an.

„Na gut, er darf jetzt aufstehen. Geh, Liebes und bring ihn mir her.“

„Das steht nicht in meinem Arbeitsvertrag.“

„Mach schon“, lachte sie, drückte mir eine Hundeleine in die Hand und gab mir einen Schubs.

Ich ging, befestigte die Leine am Halsband des Sklaven und zog daran. Er fuhr zusammen, rollte seine Knie von dem runden Holz, stand stöhnend auf. Auf den Schienbeinen, unterhalb der Knie, hatten sich tiefe Rillen eingegraben, seine Beine zitterten. Ich führte ihn zu meiner Freundin. Dann lehnte ich mich an den Bettpfosten.

Albertine warf ein Kissen vor seine Füße. Augenblicklich ließ sich der Mann darauf nieder und machte Anstalten, den Kopf aufs Bett zu legen. Albertine gab ihm eine kräftige Ohrfeige und er bekam einen Ständer.

„Was haben wir denn da?“

Sie ließ eine Reitgerte federnd auf dem Zeichen seiner Sklavenlust tanzen. Er wand sich, versuchte jedoch nicht, zu entkommen. Konnte er auch nicht. Albertine hielt seine Leine kurz. Dann ließ sie den Riemen abrupt fallen.

„Rühr dich nicht“, herrschte sie ihn an, griff nach ihrer Zigarette und blies Rauch in sein Gesicht. Feine Wolken wirbelten auf dem Gummi, verwischten die Konturen und verflüchtigten sich schließlich.

„Nadja“, wandte sie sich an mich, „mir fehlt heute jegliche Inspiration. Ich habe unseren Gast noch vier Stunden zu beschäftigen und weiß beim besten Willen nicht, was ich mit ihm anfangen soll.“

Theatralisch seufzend strich sie sich über die Augen, gähnte und streckte die Arme. Sie rutschte vom Laken und stieß beim Aufstehen ihrem „Gast“ ein Knie unsanft in die Seite. Ich lehnte noch immer mit verschränkten Armen am Fußende des Himmelbettes. Albertine kam zu mir, strich sanft über meinen Hals, zupfte an meiner Bluse und wedelte mir eine Locke aus der Stirn.

„Na ja, die Jeans sind ganz ok, das Oberteil ist auch passabel. Weißt du was, Schätzchen? Ich gehe jetzt ein wenig shoppen und du kümmerst dich um unseren Gast. Keine Angst, er macht alles was du sagst. Nimm ihm nur nicht die Maske ab.“

Sprachlos starrte ich sie an.

Sie drückte mir lächelnd einen schmalen Hefter in die Hand.

„Du machst das schon, das ist genau die passende Ablenkung, um dich auf andere Gedanken zu bringen. Stell dir deinen Chef vor und tob dich richtig aus. Also, Liebes, ich kann jetzt wirklich nicht länger bleiben, brauche unbedingt frische Luft. Ich bringe dir was Hübsches mit. Bis später.“ Sie schwebte zur Tür hinaus.

„Hey, wie heißt der Typ, wie soll ich ihn nennen?“ rief ich ihr nach.

„Sklavenschwein, wie denn sonst. Alles andere steht im Vertrag.“ Damit war sie verschwunden.

Das darf doch wohl nicht wahr sein! Ich ließ mich auf das edle Lager fallen und griff nach Albi’s Zigaretten.

„Glotz nicht so“, blaffte ich. Die augenlose Maske des Sklavenschweins war auf mich gerichtet. Er rührte sich nicht. Wie befohlen.

Ich schlug den Hefter auf.

Vertrag… uneingeschränkt… bedingungsloser Gehorsam… Gebieterin… jeden Donnerstag… 10.00 – 16.00 Uhr…

Es folgte eine Liste von ausgeklügelten Regeln, sowie deren Strafen, wenn sie nicht befolgt würden. Welcher erwachsene Mensch machte einen solchen Unsinn? Die Antwort kniete vor mir und schien es keineswegs albern zu finden. Sein Schwanz stand waagerecht und ein Tropfen sammelte sich an der Eichel.

„Wage es nicht, den Boden zu besudeln“, knurrte ich ihm dahin, wo sich sein Ohr unter dem Gummi abzeichnete. Er bebte und nickte.

Jeden Donnerstag? Das wäre zu schön, um wahr zu sein! Ich erinnerte mich, dass zu dieser Zeit mein Ex-Chef nie im Büro war, sondern seine auswärtigen Termine absolvierte. Wie an jenem Donnerstag, als ich im letzten Moment den Abgabetermin für den Plan des neuen Einkaufszentrums schaffte. Allein, ohne seine Hilfe. Entsprechend ausführlich fiel anschließend sein Dank aus: „Dein Glück, dass du den Termin nicht verschlampt hast, sonst hättest du gewaltigen Ärger bekommen.“

Ich lachte bitter auf und trat den wehrlosen Mann vor mir in den Bauch. Sein Atemschlauch wippte hin und her, er schnappte nach Luft, krümmte sich und kippte zur Seite. Augenblicklich bekam ich ein schlechtes Gewissen, sprang auf, griff unter seine Arme, um ihm aufzuhelfen und ließ angewidert los. Schweißnass. Ich rannte ins Bad und wusch mir die Hände. Himmel, was sollte ich mit dem bloß anstellen?!

Als ich zurückkam, blickte ich entsetzt auf das Bündel Mensch am Boden. Er lag noch immer auf der Seite, die Hände auf dem Rücken gefesselt. Sein Unterleib zuckte. War ich zu weit gegangen? Ich beugte mich zu ihm, berührte leicht seinen Arm. Im selben Moment ergoss er sich auf den Boden.

„Du Schwein“, brüllte ich und sprang auf. „Du elendes verficktes Sklavenschwein, was fällt Dir ein!“

Auf dem Bett lag die Reitgerte. Ich griff danach, zog sie ihm über den Rücken, über den Hintern, die breiten Hüften, die fleischigen Oberschenkel. Ich zählte nicht mit und hielt erst inne, als sich die blasse Haut rosa färbte und deutliche Striemen hervortraten. Ich atmete schwer. Die plötzliche Wut verebbte prickelnd und strömte warm durch meinen Körper. Ich ließ die Gerte ein letztes Mal auf den nackten Körper sausen und beobachtete fasziniert, wie sich die Haut unter dem federnden Schlag zusammen zog und seitlich vibrierte. Dann griff ich nach dem Schlauch, zog daran. Schraubverschluss. Also drehte ich ihn ab, er fühlte sich heiß und feucht an.

„Auflecken“, befahl ich und stieß seinen Mund in den Samen.

Er tat es, genüsslich, wie mir schien, stützte sich dabei mit dem Kinn auf und gab Schmatzlaute von sich.

Ich könnte ihn Fenster putzen lassen, überlegte ich, verwarf den Gedanken aber wieder. Mit der Maske würde er nichts sehen und nur Streifen produzieren.

„Das reicht, Sklavenschwein, steh auf!“ Ich zog ihn an den Armen. Er erhob sich schwankend, murmelte „Danke“ und grinste durch seinen Mundschlitz. Es war nicht zu fassen!

„Laut Deinem Vertrag hast du keinen Laut von dir zu geben. Oder habe ich da was überlesen?“

Er schüttelte stumm den Kopf. Ich geb ihm einen Klaps, damit er still hielt und ich den Schlauch wieder anbringen konnte.

„Dir reicht es ganz offensichtlich noch nicht. Mir soll es recht sein. Ich habe große Lust, jemanden zu verprügeln.“

Ich glaubte selbst nicht, was ich da sagte, zerrte ihn jedoch entschlossen zur Wand, an dem ein mit Leder bezogenes Kreuz stand, löste die Handmanschetten und befestigte seine Hände an den oberen Ringen der Balken. Er reckte mir keck den geschwollenen Arsch entgegen, die Riemen schnitten in sein Fleisch. Ich stieß gegen seine Beine, so dass er sie auf Zehenspitzen stehend spreizen musste und befestigte die Fußmanschetten mit Karabinern an den unteren Ringen. Neben dem Kreuz stand ein kleiner Tisch, auf dem eine Packung mit Feuchttüchern, eine Flasche Babyöl und verschiedene Peitschen lagen.

Wenn Kinder einen entzündeten Po haben, wird dieser eingeölt, überlegte ich und goss mir etwas von der zähen Flüssigkeit in die Handfläche. Dann rieb ich Hintern, Rücken und Seiten des Gekreuzigten ein, an den Hüften hielt ich inne. Er wand sich unter meinen Händen, sein Schwanz bildete eine gerade Linie und stieß bei jeder Bewegung an das lederne Holz. Hinter dem Hodensack spannte sich ein schmaler verstellbarer Gurt. Drei Löcher waren noch frei. Ich zog den Riemen straff, so fest ich konnte. Der Mann saugte hörbar Luft. Mit einem Babytuch säuberte ich seine Eichel und rieb die Eier blank, die blau glänzend aus der Fessel zu platzen drohten. Der Anblick begeisterte mich, sein Ständer weniger.

Ich hatte den Vertrag aufmerksam gelesen.

„Ohne meine Erlaubnis hast Du nicht geil zu werden, Sklave“, raunte ich von hinten. Ob er mich verstand, war mir egal. Dann grub ich meine Fingernägel in seinen spärlich behaarten Brustkorb. Ein spitzes Quieken entfuhr dem Schlauch. Sein Glied zuckte. Aufwärts.

So nicht! Ich griff nach einer Peitsche mit zahlreichen dünnen Lederriemen, an einem war ein kleiner Knoten. Schön.

Ich legte meine ganze Kraft in den ersten Schlag. Die Riemen klatschen auf seine rechte Pobacke und schnippten um seine Hüfte. Er zuckte zusammen. Mich durchfuhr ein Schauer. Die nächsten Schläge platzierte ich dosierter, versuchte nur Hintern und Oberschenkel zu treffen.

„Du wirst nie wieder einen Termin verschlampen, kapiert? Sonst bekommst du gewaltigen Ärger. Einen solchen Ärger, wie du dir in deinen kühnsten Träumen nicht ausmalen kannst. Hast du mich verstanden!“

Ich bellte die Worte heraus, jeder Peitschenschlag erhitzte mich mehr. Den letzten Hieb landete ich, von unten zielend, genau zwischen seine gespreizten Schenkel. Sein Körper bäumte sich in den Fesseln hängend, dann sah ich seinen Samen am Kreuz herunter rinnen. Sehr hygienisch so eine Lederbespannung.

Ich fuhr mir mit der Hand durch die Haare. Aufgewühlt begutachtete ich mein Werk. Dunkelrote Streifen zierten den Sklavenhintern, die Schenkel, den unteren Rücken. An den Hüften zeichneten sich punktförmige Flecken ab, man konnte zusehen, wie sie sich blau verfärbten. Die wenigen streifenfreien Stellen leuchteten rosa. Die Backen des Sklaven zitterten, bis ich merkte, dass nicht nur sein Arsch, sondern der ganze Kerl vibrierte. Er stand noch immer auf Zehenspitzen, hing schwer in den Riemen. Ich befreite zuerst seine Füße. Als ich die oberen Karabiner löste, fiel er um wie ein Sack.

„Hey, steh auf!“ Ich stieß mit der Fußspitze gegen seine Schulter. Er schüttelte sich kurz, packte mit den nun freien Händen meinen Knöchel und presste seine gummierte Wange dagegen. Erschrocken wich ich zurück, er robbte hinterher, meinen Fuß fest umklammernd.

„Lass sofort los“, sagte ich laut. „Du kannst mir deinen Dank anders erweisen.“

Diese Worte wirkten Wunder. Gehorsam ließ sich der Mann, auf Knien rutschend, in die Zimmerecke ziehen, die er schon kannte. Ich fixierte seine Hände wieder auf dem Rücken, die Leine befestigte ich an einem Ring an der Wand. Statt dem Besenstiel bekam er ein Kissen. Ich schraubte den Atemschlauch ab, streifte einen Stiefel ab und hielt ihm meinen Fuß vor die Mundöffnung.

„Du darfst ihn küssen.“

Er tat es eifrig.

„Das reicht.“

Sichtlich enttäuscht ließ er von meinem Fuß ab, legte den Kopf schief, wie ein bettelnder Hund.

„Und nun darfst Du Dich hinlegen. Platz!“

Hechelnd befolgte er den Befehl.

Ich war stolz auf mich, spürte das erregende Machtgefühl bis in die Zehenspitzen. Wie Ameisen krabbelte es über meine Haut, ließ die feinen Härchen sich aufrichten, die Nippel hart werden und meinen Schoß feucht.

Ich eilte zum Bett, streifte hastig den anderen Stiefel ab, zog die Jeans herunter, spürte das kühlende Laken auf meiner Haut und machte es mir selbst. Ich kam schnell und heftig und war mir sicher, dass der Mann in seiner Ecke meine Lust schmecken konnte.

Polternd kam Albertine herein, Unmengen Einkaufstüten in jeder Hand.

„Na, was macht denn unser Sklavenschwein“, fragte sie schelmisch blinzelnd. „Und wie geht es meiner Nadja?“

„Mir geht es gut und dem da auch“, schnurrte ich und reichte meiner Freundin die Hand.

Einige Tage später erhielt ich einen Brief:

„Liebe Nadja, wir würden uns freuen, Sie wieder in unserem Team begrüßen zu dürfen. Ihre Arbeit ist sehr wichtig für das Büro. Das ist mir erst jetzt schmerzlich bewusst geworden. Die Kündigung war vorschnell und unüberlegt von mir. Ich hoffe, Sie können mir verzeihen.

Mit freundlichen Grüßen, Ihr Edgar Holbein“

Ungläubig schüttelte ich den Kopf. Ich zögerte nur kurz…

© Anastasia

veröffentlicht in "Böse Geschichten Nr. 20", 2007 Charon-Verlag